Boarisch aufgspuit im Wirtshaus

Am 20.11.23 war die Wirtsstube vom Manchinger Hof wieder bis auf den letzten Platz gefüllt. Grund war, der Förderverein Bairische Sprache und Dialekte e.V. (FBSD) LV Donau-Ilm-Altmühl hat wieder zu einem bairischen Abend eingeladen.

In bekannter und humorvoller Weise führte Uwe Döhring wieder durch den dreistündigen Abend. Er konnte unter anderem das Ehrenmitglied des FBSD, Harri Deiner, mit seiner Frau Gerti begrüßen.

Mitwirkende waren dieses Mal die Oberstimmer Hoagartn Musi (Geige, Steirische Harmonika, Hackbrett, Gitarre), die gefühlvoll einen bunten Strauß an wunderbarer Musik den Zuhörern boten. Von den vier charmanten Damen, ist eine extra aus Moosburg und eine aus Reichertshausen angereist. Kathi Radlmeier aus Baar durfte natürlich an diesem Abend nicht fehlen. Ihre vielen Gedichte, Witze und Geschichten fanden großen Anklang und brachten so manchen Gast zum herzhaften Lachen. Mit Couplets und oberbairischer Adventsmusik, gespielt mit Gitarre und Steirischer Harmonika, rundete Uwe Döhring den gemütlichen Abend ab. Am Donnerstag, den 1. Februar 2024 wird es die nächste Ausgabe von Boarisch aufgspuit im Manchinger Hof geben. Allerdings sind fast alle Plätze bereits wieder reserviert.

v.l.: Bettina, Lena, Sabrina, Kathi, Christiane, vorne Uwe Döhring (Sprecher des LV Donau-Ilm-Altmühl)
Kathi Radlmeier

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Dialektpreis 2023 an Prof. Dr. Hannes Scheutz

Dialektpreis 2023 an Prof. Dr. Hannes Scheutz

Am 11. November wurde im Förderverein Bairische Sprache und Dialekte e.V. zum 13. Male der Rupertiwinkler Dialektpreis verliehen.

Geehrt wurde Ass. Prof. Dr. Hannes Scheutz von der Paris Lodron Universität Salzburg. Der Sprachpreis wurde in den letzten Jahren unter anderem an Claudia Koreck, die „Huababuam“ oder Dr. Georg Ringsgwandl verliehen.

Neben vielen Mitgliedern waren Landrat Bernhard Kern, andere lokale Politiker und Preisträger der letzten Jahre anwesend. Nach der Begrüßung der Ehrengäste und den Berichten der verschiedenen Projektverantwortlichen hielt Ass. Prof. Dr. Peter Mauser auf äußerst unterhaltsame Art die Laudatio.

Ass. Prof. Dr. Hannes Scheutz hielt einen kleinen Vortrag zum Bairischen im Allgemeinen und den sprachlichen Grenzen einzelner Dialekte. Musikalisch umrahmt wurde das Ganze von den beiden Musikgruppen „BrucknBlech“ und „Lausringer“. Es war, wie immer, eine gelungene und sehr unterhaltsame Veranstaltung.

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Bürgermeister Fritz Egold, Claudia Geisweid, Heinz Schober-Hunklinger und Monika Mayr

„Zammkemma“ in Seeshaupt

1. FBSD-Stammtisch ein voller Erfolg!

Das was Monika Mayr da auf die Beine gestellt hat, war mehr als ein einfacher Stammtisch, es war ein Fest mit Freunden für Freunde der Bairischen Sprache. Schon beim Sektempfang mit Canapés bei strahlendem Herbstwetter war viel Gelegenheit zum persönlichen Kennenlernen. Monika Mayr hatte ihren Freundeskreis eingeladen. Zusammen mit interessierten Mitgliedern des FBSD waren wir insgesamt 17 Teilnehmer beim gemütlichen Beisammensein.

Neben dem FBSD-Vorsitzenden Heinz Schober-Hunklinger wurden die Gäste beim anschließenden Mittagessen auch vom Seeshaupter Bürgermeister Fritz Egold herzlich begrüßt. Letzterer unterstrich in seiner Rede die Bedeutung der Bairischen Sprache für unsere Geschichte und Kultur: „ … in unserer Sprache steckt die Weisheit der Vorfahren aber auch eine Offenheit für neue Impulse.“

Extra aus Aschau am Inn angereist war Irene Karstensen, eine alte Freundin von Monika’s Mama. Sie lies es sich nicht nehmen, uns mit einigen Gedichten und Liedern in Bairischer Sprache zu unterhalten. Musikalisch untermalt wurde das Festl vom Zitherspieler Matthias Nöhmeier.

Nachdem mehr als 10 Jahre im Oberland kein Vereinsleben mir stattgefunden hat, war das ein mehr als gelungener Neuanfang. Ein herzliches Vergelt’s Gott an Monika Mayr für ihr Engagement!

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Uwe Döhring

Uwe Döhring neuer Sprecher des LV DIA

Auf der ordentlichen Mitglieder­versammlung des FBSD, Landschafts­verband Donau-Ilm-Altmühl, hat Uwe Döhring nun das Amt von Harri Deiner übernommen, der die Geschicke über 24 Jahre führte. Von der Gesamtvorstandschaft waren an diesem Abend auch Claudia Geisweid und Sigi Bradl anwesend, die einen kurzen Bericht vom Gesamtverein gaben und auch die neue Satzung erläuterten. Nach der Begrüßung und dem Gedenken an die verstorbenen Mitglieder, gab Harri Deiner seinen letzten Tätigkeitsbericht in seiner Amtszeit. Die bisherige Vorstandschaft wurde entlastet und Uwe Döhring als neuer Sprecher gewählt. Döhring freut sich auf seine neue Aufgabe und hofft, mit einem kleinem Team, die Präsenz des FBSD, sowie den Erhalt unserer bairischen Sprache und Tradition, in der Region mit Veranstaltungen und Stammtischen wieder zu beleben. Mit einem kleinen Präsent bedankte sich Harri Deiner bei seiner Vorstandschaft und seinen Helfern für das Engagement und Hilfe der vergangenen Jahre. Mit Mundartbeiträgen und griabiger Musi ging der gemütliche Abend zu Ende.
Mitgliederehrung LV DIA
v.l.: Gerti Deiner, Harri Deiner, Anni Maier, Gitti Pöhler, Uschi Kufer, Sepp Geier, Kathi Radlmeier, Uwe Döhring
v.l.: Harri Deiner, Uwe Döhring

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Harri Deiner verabschiedet

Gesteckt voll war der Saal des Peterwirts in Ingolstadt, wo im Rahmen eines unterhaltsamen Abends Harri Deiner nicht nur verabschiedet wurde, sondern ihm auch die Ehrenmitgliedschaft im FBSD verliehen wurde. Den Harri mit Worten zu beschreiben….ist einfach: Er ist einfach ein „varegda Hund“ und regional überall bestens bekannt! Selbst wenn man in den Berchtesgadener Alpen Bergsteiger aus Ingolstadt trifft, kann man sicher sein, dass die den Harri auch kennen!

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100. FBSD Rundbriaf

Mit der aktuellen Ausgabe hat der FBSD 100. Rundbrief herausgebracht – eine stattliche Zahl. Bereits im Gründungsjahr 1989 kam die Nr. 1 heraus. Auf dem Titelbild sieht man in 10-Ausgabeschritten wie sich der Rundbrief in den letzten 35 Jahren entwickelt hat. Besonders der Farbdruck wurde bezahlbar.

2004 (Nr. 52) bekam das ursprüngliche Informationsblatt den Charakter einer Zeitschrift. 2011 (Nr. 76) wurde der Rundbrief dann mit einem neuen Inhaltskonzept zu einem echten Magazin. 2015 (Nr. 85) wurde der Name in Rundbriaf geändert und auch graphisch als „Marke“ umgesetzt. Das Titelbild soll Menschen darstellen, die den Dialekt aktiv nutzen.

Neue Rubriken wurden eingeführt in denen sich die Ziele des Rundbriafs widerspiegeln:

  • Information über das Vereinsgeschehen
  • Ziele und Forderungen des Vereins zur Förderung der Verwendung des Dialekts besonders in Kindergärten, Schulen und Universitäten
  • Projekte und Veranstaltungen im Gesamtverein und in den Landesverbänden
  • Sprachwissenschaftliche Artikel
  • Unterhaltsames und Lustiges
  • Themen zum Jahreskreis
  • Geschichten und Gedichte
  • Interessantes aus Film, Funk und Fernsehen
  • Interviews mit bedeutenden Persönlichkeiten
  • Buchrezensionen und Bücherliste

Heute ist der Rundbriaf in seiner Form einzigartig und stellt in Sachen „Bairischer Sprache“ eine wertvolle „Fachzeitschrift“ und Dokumentation dar, die allseits sehr beliebt ist.

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Bairisch lässt sich prima singen

Mundartvereine verleihen Dialektpreis an die Liedermacherin Claudia Koreck aus Traunstein

Im Rahmen seiner Jahreshauptversammlung im „Wirtshaus z’Lauter“ verlieh der Landschaftsverband Rupertiwinkel des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte e.V.  (FBSD)  zusammen mit dem Verein Bairische Sprache und Mundarten Chiemgau-Inn (BS) e.V. den Dialektpreis 2022 an die heimische Sängerin und Liedermacherin Claudia Koreck. Der 1. Vorsitzende des FBSD, Heinz Schober-Hunklinger, hieß Claudia Koreck herzlich willkommen, ebenso ihren Ehemann Gunnar Graewert und deren beiden Kinder, sowie Claudias Eltern. Er finde es sehr schön, den Dialektpreis einmal an „eine von uns“ zu verleihen. Der Preis gehe nämlich grundsätzlich an Promimente, die etwas für den Dialekt geleistet haben. Und da sei eben Claudia Koreck ein Paradebeispiel, das wir vor der Haustür haben. Das Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro habe wieder die Eva-Mayr-Stihl-Stiftung gegeben. Ihr gelte dafür ein herzlicher Dank.

Gustl Lex vom Verein BS hatte eine hervorragende Laudatio vorbereitet. Er freute sich, dass der Dialektpreis heuer wieder an die Kulturszene geht und mit Claudia Koreck sogar an eine bekannte und großartige Künstlerin aus Traunstein, die ihre Liedtexte überwiegend in ihrer Muttersprache, im „Cheamgauer Dialekt“ verfaßt. Lex sagte, wer sich über unsere heutige Preisträgerin informieren möchte, brauche nur im Internet nachschauen, dort finde man über 46.000 Ergebnisse über sie, und ihre Vita sei auf Wikipedia nachzulesen. Das Interesse der Medien an Claudia Koreck resultiere aus ihrem Können, Fleiß und Ausdauer. Aber auch als Mensch sei sie unverwechselbar preiswürdig. Eine Kunst- und Kulturveranstalterin bringe das auf den Punkt, wenn sie sagt, „Claudia Koreck ist ein außergewöhnlicher Mensch mit toller Ausstrahlung!“ Lex bestätigte ihr diese Ausstrahlung und ihre ausverkaufen Konzerte belegen dies immer wieder. Er glaube, das liegt auch daran, dass sie sich selber immer treu geblieben und nicht abgehoben sei. Und das bringe sie auch in ihren Liedern immer zum Ausdruck. Lex fuhr fort mit einem Zitat vom Bayerischen Heimatminister Albert Füracker: „Dialekt ist die Sprache der Heimat. Er schafft das Gefühl von Geborgenheit und Vertrautheit. Die verschiedenen bayerischen Mundarten prägen regional lokale Kultur und Identität und zählen zum kulturellen Erbe Bayerns!“  Und das habe Claudia Koreck auch nicht nur einmal selbst gesagt, als sie in einem Interview gefragt wurde:  „Sie singen in der Sprache, in der Sie auch sprechen.“. Da habe sie geantwortet: „ Ja, ich bin ja in Bayern geboren, ich bin mit diesem Dialekt aufgewachsen und er steckt mir sozusagen in Fleisch und Blut. Wenn ich Musik mache, geht es für mich hauptsächlich darum, dass ich mich ausdrücken kann, und das kann ich nun mal am allerbesten in meiner Muttersprache. Außerdem klingt das Bairische einfach sehr schön in Verbindung mit der Musik, die ich mache. Bairisch lässt sich prima singen.“

Gesungen habe Claudia Koreck schon als Kind sehr gern, habe mit sechs Jahren das Musizieren angefangen, Keyboard gelernt und später autodidaktisch Gitarre.

Mit 12 Jahren schrieb sie ihre ersten Liedtexte. Sie war immer schon sehr ehrgeizig, auch später als Schülerin am Annette-KolbGymnasium. (AKG). Sie war beim Lehrkörper sehr beliebt, wurde Klassensprecherin und für das gesamte AKG zur Schülersprecherin gewählt. Sie hatte Auftritte mit der Schülerband, gab dort erste Soloauftritte und machte mit ihren gerade mal 16 Jahren beim Wettbewerb „Treffen junge Musikszene“ mit. Das war ein deutschlandweiter Wettbewerb, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiiert und von den Berliner Festspielen durchgeführt wurde. Dabei wurden nur selbstgeschriebene Beiträge gewertet. Mit dem Lied „D‘ Liab“ überzeugte sie die Berliner Jury und landete unter den Preisträgern. Schon im nächsten Jahr, 2003, wurde sie beim gleichen Wettbewerb in Berlin nochmals ausgezeichnet.

Doch als sie sich nach dem Abitur bei der Pop-Akademie in Mannheim für eine Ausbildung bewarb, wurde sie wegen ihrer bairischen Sprache nicht akzeptiert und auch nicht einmal zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. So ging sie nach München, merkte, dass ihr der Hörsaal an der Uni nicht taugt, und erkennt, dass die Musik ihr Weg ist. So zog sie durch die Münchner Kleinkunstbühnen und lernte namhafte Künstler kennen, unter anderem auch das musikalische Schwergewicht Konstantin Wecker. Dieser erkannte ihre Begabung und holte sie spontan auf die Bühne. Sie lernte den Manager Hage Hein kennen, dem ihre Musik sehr gut gefiel und sie unter Vertrag nahm. Daraus folgte 2007 die Chance, in einem der renommiertesten Studios ein Album aufzunehmen, das von Gunnar Graewert produziert wurde. Das Titellied „Fliagn“ gab auch dem Album den Namen und wurde ein Riesenerfolg.

Der Bayrische Rundfunk wurde auf Claudia Koreck aufmerksam und stellte die Produktion in der Bayern3-Newcomaer-Show vor. Schnell kam das Album in Bayern auf den ersten Platz der meistverkauften Alben und landete deutschlandweit auf Platz 15. Die Bayern3-Hörer  wählten Claudia Koreck zur Newcomerin des Jahres.

Weitere Erfolge blieben nicht aus. So kam 2008 der legendäre Filmregisseur Joseph Filsmaier auf Claudia Koreck zu und bat sie, den Titelsong für seine Neuverfilmung des „Brandner Kaspar“ zu schreiben und zu singen.  Eine andere Erfolgsgeschichte war das Zusammentreffen mit dem Produzenten Gunnar Graewert – die Beiden kamen sich nahe und näher und sie heirateten. Und auch das hatte Hand und Fuß, denn nacheinander kamen zwei Kinder zur Welt.

Claudia Korecks Bekanntheitsgrad wuchs erneut. Als die weltberühmte US-Band Eagles auf Deutschland-Tournee kam, war Claudia im Vorprogramm dabei und stellte ihre neue CD „Mensch sei“ vor.

Seit dem Jahr 2007 setzte sie sich für die „Sternstunden“ des Bayerischen Rundfunks  ein, sagte der Laudator . Dafür schrieb sie mit Gunnar Graewert im Corona-Jahr 2020 das offizielle Sternstundenlied „Auf bessere Zeiten“ und war wochenlang die Nummer Eins im bayerischen Musikmarkt. Sie verzichtete für Sternstunden auf ihre Gage und sagte bei der Vorstellung ihres Liedes „Auf bessere Zeiten“: „Für uns war es wichtig, dass grad in diesen Corona -Zeiten durch das Lied der Funke der Menschlichkeit wieder in die Gesellschaft getragen wird.  Durch die Mitwirkung von Vertretern der unterschiedlichsten Musikrichtungen und Generationen von bayerischen Künstlern legt jeder seine persönliche Sichtweise auf die Thematik von Sternstunden in das Lied. So ist ein Song entstanden, der unsere Ideen von Liebe und Menschlichkeit in der heutigen Zeit versinnbildlicht.“

Auf die provokante Frag e einer Interviewerin „Haben sie denn keine Angst, dass ihre Songs nur von Leuten verstanden werden, die des bairischen Dialekts mächtig sind?“ sagte sie selbstsicher: „Nein, Musik kann man schließlich auch mögen, ohne dass man den Text kapiert. Wer versteht denn schon bei englischen Liedern immer den Text?“

Heinz Schober und Rudi Mörtl überreichten unter dem Applaus der Gäste Claudia Koreck eine Preisurkunde und einen Scheck. Die Geehrte bedankte sich herzlich für die großartige Laudatio, für den Preis und die Urkunde bei allen, die dafür verantwortlich waren. Sie freute sich sehr über den Preis, der aus ihrer unmittelbaren Heimat kommt. „Dialekt ist ganz was Natürliches, den man auch singen kann“, sagte sie selbstsicher. Dann sang und spielte sie einige Lieder wie „Fliagn“, und „‘s ewig Leben“ und „Ruck man alle wieder näher zamm, spür ma wieder, wer ma san, sei an Weihnachten einfach da bei mir!“ Das Publikum war begeistert und spendete tosenden Applaus.
(von  Christina M. Waldherr, Palling)

Gustl Lex (BS), der Laudator von Claudia Koreck.
Gustl Lex (BS), der Laudator von Claudia Koreck.
Preisverleihung an Claudia Koreck (v.l.): Heinz Schober vom FBSD, Claudia Koreck, Rudi Mörtl (BS) und Laudator Gustl Lex (BS)

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Füracker verleiht „Dialektpreis Bayern für Dialektvereine 2022“

Dialektpreis Bayern für Dialektvereine 2022

14 Dialektvereine werden für ihre besonderen regionalen Verdienste um die Dialektpflege und -forschung gewürdigt
Der FBSD ist an vorderster Front mit dabei

„Dialekt ist die Sprache der Heimat und Ausdruck regionaler Identität! Heute stehen beim Dialektpreis erstmalig die Verdienste von Vereinen im Mittelpunkt. Intaktes Vereinsleben und Engagement im Ehrenamt halten Gesellschaft und unser Land zusammen. Der Dialekt als gemeinsames Interesse schafft Zusammengehörigkeit. Die Preisträger zeichnen sich durch ihre Vielseitigkeit und Individualität in der Vereinsarbeit aus. Teils sind Sie thematisch, teils regional ausgerichtet, aber eines haben alle gemeinsam: Ihr vorbildliches Engagement macht Sie alle zu „Botschaftern“ der Dialekte in Bayern! Vergelt’s Gott für den unermüdlichen Einsatz für unsere Heimatsprache. Sie sind großartige Vorbilder in Gestaltung und Bewahrung unserer Heimat und Kultur“, freute sich Finanz- und Heimatminister Albert Füracker bei der Preisverleihung am 21. November 2022 im Heimatministerium in Nürnberg.

Der von Finanz- und Heimatminister Albert Füracker verliehene und mit je 1.000 Euro dotierte Preis würdigt besondere regionale Verdienste im Bereich Dialektpflege und -forschung. In vergangenen Jahr wurden neben dem im Juli verliehenen „Dialektpreis Bayern 2022“ in einer Sonderkategorie auch Dialektvereine für ihre besonderen Verdienste und ihr Engagement im Bereich Dialektpflege und -forschung ausgezeichnet. Folgende Preisträger wurden in Abstimmung mit den bayerischen Bezirksheimatpflegern mit dem „Dialektpreis Bayern für Dialektvereine 2022“ ausgezeichnet:

Förderverein Bairische Sprache und Dialekte e.V.
1989 gegründet und mit aktuell über 3.000 Mitgliedern ist der Förderverein ein „Schwergewicht“ in der Dialektpflege. Er hat sich den Erhalt und die Förderung der bairischen Hochsprache, Dialekte und Mundarten in Kultur, Brauchtum und Erziehung zum Ziel gesetzt. Dazu führt der Verein Veranstaltungen zur Pflege des Schrifttums der bairischen Hochsprache, der Mundartenschriften und -dichtungen durch und gibt fachspezifische Publikationen heraus. Er leistet Aufklärungsarbeit an Schulen, in Medien, Verbänden, Vereinen, bei Behörden und Institutionen, jüngst sogar in einem grenzübergreifenden Projekt zusammen mit der Universität Salzburg. Ganz besonderes Herzblut steckt in seinem „Rundbriaf“ mit extra „Zwergalseitn“ für Kinder. Für seine vielfältigen Verdienste um die Mundart erhält der Förderverein Bairische Sprache und Dialekte e. V. heute die Auszeichnung mit dem Dialektpreis Bayern.
(von Dennis Drescher, Pressesprecher, München)

Finanz- und Heimatminster Albert Füracker bei seiner Begrüssungsrede.
Finanz- und Heimatminster Albert Füracker bei seiner Begrüssungsrede.
Albert Füracker übergibt den Dialektpreis an Siegfried Bradl.
Albert Füracker übergibt den Dialektpreis an Siegfried Bradl.
Ein würdiger Abschluss mit 14 Dialektvereinen aus ganz Bayern.
Ein würdiger Abschluss mit 14 Dialektvereinen aus ganz Bayern.

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Reden wie einem der Schnabel gewachsen ist

Reichenhaller Heinz Schober-Hunklinger, neuer 1. FSBD-Vorsitzender, im Interview

„Wie groß ist die Gefahr fürs Bairische, verdrängt zu werden?“
„Wir werden niemandem vorschreiben, wie er zu reden hat“, sagt Heinz Schober-Hunklinger, 1. Vorsitzender des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte, des größten Sprachvereins Bayerns. Zu viel “Tschüss”, zu wenig “Pfiat Di”? Im Verein tut man, was man kann. In jedem Fall sei nun die Politik gefragt, sagt der Reichenhaller. 

„Ein echter Bayer spitzt seine Lippen nur zum Trinken und zum Bussln. „Tschüss“ würde er nicht sagen. Was ist an der Aussage Ihres Vorgängers Siegfried Bradl dran?“
„Na ja, es ist so: „Tschüss“ heißt bei uns „Pfiad Di“. Es bedeutet also praktisch das Gleiche. „Pfiat Di God“ kann man mit „Behüte Dich Gott“ ins heutige Standarddeutsch übersetzen. Das Gleiche kann man mit „Tschüss“ sagen, das vom spanischen „Adios“ kommt und wohl über die ehemaligen spanischen Niederlande und über „Atschüss“ in den deutschen Sprachraum eingewandert ist. Das  geschriebene „Ü“ sprechen wir in der Mundart eher nicht aus als „Ü“, sondern fast immer als anderen Vokal: „ia“ bei „siass“ (süß) und „Dia“ (Türe). Ähnlich ist es mit „ea“ bei „grea“ (grün) oder „ua“ bei „Ruam“ (Rübe). 

„Getschüsst“wird mittlerweile oft. Zu häufig für Sie?“
„Wir sind ein weltoffener Verein und wir werden niemandem vorschreiben, wie er zu reden hat. Aber freilich passt „Pfiad Di“, „Servus“ oder „Habe d’Ehre“ besser in unsere Gegend.“

„Ist die bairische Mundart in Gefahr?“ 
„Bairisch wird von der Unesco seit 2009 als gefährdet und somit schützenswert eingestuft. Am meisten wird es von der Standardsprache beeinflusst. Das haben übrigens Sprachwissenschaftler der Universität München im vergangenen Jahr herausgefunden. Es spielt dabei sicherlich auch die Dominanz der norddeutschen Aussprechweise der Schriftsprache eine starke Rolle, vor allem in den meisten Medien.“ 

„Sie stammen aus Bad Reichenhall und sind Oktober letzten Jahres 1. Vorsitzender des FBSD, des größten Sprachvereins in Bayern. Sie vertreten eine Menge bairisch sprechender Leute. Wissen Sie, wie viele Menschen Bairisch sprechen?“
Bad Reichenhall liegt im Zentrum des Bairischen. Es gibt drei große Dialekträume. Der Mittelbairische ist dabei der Markanteste und erstreckt sich von Augsburg bis an die österreichisch-ungarische Grenze. Das wichtigste Kennzeichen der mittelbairischen Dialekte ist dabei die so genannte L-Vokalisierung. Das bedeutet: Wo wir „i“ schreiben, sprechen wir es als Vokal aus, wie etwa beim Wort Holz. Das wird als Hoiz ausgesprochen, Schule als Schui oder kalt als koit. Bei den anderen beiden, dem Nord- und Südbairischen, wird das „L“ gesprochen, wie geschrieben. Die südbairischen Dialekte findet man vor allem in Kärnten, in Tirol und in der südöstlichen Steiermark, die nordbairischen Sprachvarietäten vor allem in der Oberpfalz und den angrenzenden Gebieten von Oberbayern, Mittel- und Oberfranken.

„Der bairische Sprachraum erstreckt sich über rund 150.000 Quadratkilometer. In dem Gebiet leben etwa 15 Millionen Menschen. Es ist sicher kein Geheimnis mehr, dass in den Städten die Dialekte stark rückläufig sind. Im Berchtesgadener Land und in Traunstein wurde 2019 von der Universität Salzburg eine Dialekterhebung in verschiedenen Schulen durchgeführt. Diese hat gezeigt, dass das Bairisch auch im breiten Land, bei Kindern und Jugendlichen, massiv gefährdet ist.“

„In den Schulen sprechen von Jahr zu Jahr weniger Kinder bairisch. Die Schulen sind in der Pflicht, sagen Sie. Sie nehmen die Bildungseinrichtungen an die Hand und bieten Handreichungen für Lehrer, veranstalten zudem Projekte. Ist der Erfolg messbar?“
„Ja, teilweise. Bei unserem gemeinsamen, grenzüberschreitenden Projekt mit der Universität Salzburg – „Mitn Redn kemman d’Leit zsomm“ – sieht man zum Beispiel, dass durch die Verwendung der entwickelten Lehrmaterialien vorher bestehende Vorurteile massiv abgebaut und dadurch die Diskriminierung von Dialektsprechern, wie übrigens auch von Nichtdialektsprechern, vermieden werden kann. Das heißt, es wurde hier von unserem Projektpartner, gemeinsam mit uns, Materialien entwickelt, die die regionale Sprachfärbung fördern und gleichzeitig bei der Integration helfen. Insgesamt würden wir uns aber wünschen, dass noch mehr in den Lehrerfortbildungen für die Dialekte und unser bairisches Standarddeutsch getan wird.“

„Der Dialekt als ein Lebensgefühl: Wie sehen Sie das?“ 
„Ich denke schon, dass da was dran ist. Es geht um unsere Identität und somit auch um unsere Glaubwürdigkeit. Es geht aber auch darum, dass man im Dialekt viele Dinge leichter und schneller und genauer beschreiben kann. „Leben und leben lassen“ sowie „Geben und nehmen“ ist typisch bairisch. Wenn wir immer weniger bairisch reden, dann wird das Denken und Handeln auch immer weniger bairisch werden. So zu reden und so verstanden zu werden, wie einem der Schnabel gewachsen ist, ist ein hohes Gut.“

„Für den bairischen Dialekt gibt es zwar Regeln. Wieso ist dieser aber noch nicht verschriftlicht worden?“
„Im Bairischen gibt es klare grammatische und lautliche Regeln. Eine einheitliche Rechtschreibung der bairischen Sprache gibt es allerdings nicht. Es ist in den sozialen Medien sogar ein Vorteil, weil man schreiben kann, wie man will. Sehr wohl gibt es ein bairisch geprägtes Standarddeutsch, das den bairischen Wortschatz widerspiegelt, das leider aber immer weniger Verwendung findet. So hört und liest man immer öfter Junge statt Bub oder die Eins statt der Einser oder Ziege statt Geiß.

„Ihr Verein hat vor einigen Jahren einen Sprachführer für Wirtsleute herausgebracht. Schmeckt „das „Wammerl“ den Bayern besser als „der Schweinebauch“? und „War der Sprachführer von Erfolg gekrönt?“
„Den Erfolg zu messen, ist schwierig , aber vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband wurden wir dafür gelobt. Wenn ich in ein bairisches Wirtshaus gehe, passt das eben besser. Das findet auch der Gast attraktiver, der bei uns Urlaub verbringt. Übrigens ist Bairisch, auch in Umfragen, mit Abstand weiterhin der beliebteste Dialekt. Es ist dann eher kontraproduktiv, leckere Frikadellen als „echt bairisch“ zu bezeichnen und diese mit weiß-blauen Rauten auszuschmücken, wie es mir auch schon untergekommen ist. In einem italienischen Restaurant möchte ich ja auch eine passende Speisekarte auf dem Tisch vorfinden.“

„Wie kann das Bairische auf lange Sicht überleben? Gibt es das „eine“ Erfolgsrezept?“ 
„Wichtig ist auf jeden Fall: Beim Bairischen handelt es sich um ein eigenes Sprachsystem, das nicht minderwertiger ist – im Gegenteil. Sprachwissenschaftlich ist es längst bestätigt, dass es ein Vorteil ist, Bairisch zu beherrschen. Im Bairischen haben wir etwa die Zwielaute „oa“, „ou“ und „ej“, genau wie im Englischen und anderen Sprachen. Es müssen darüber mehr Informationen an die Bevölkerung. Das kann nicht allein unsere Aufgabe sein. Dies ist allgemeiner Bildungsauftrag und somit auch Aufgabe der Politik und nicht zuletzt der Medien und darum danke ich auch für dieses Interview.
(von Kilian Pfeiffer, Bischofswiesen)

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