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FBSD LogoBairisch ist noch lange nicht in Aller Munde. Aber immer öfter zu hören.

Für die bairische Sprache und die Mundarten war 2010 ein gutes Jahr. Auch für den Förderverein Bairische Sprache und Dialekte (FBSD). Auftritte und Einsatz in der Öffentlichkeit und in der Landespolitik zeigen Wirkung. Mundarten finden Eingang in Kindergärten und Schulen, erobern die Musik für die Jugend, treiben den Bavarica-Absatz voran, finden Gehör im Parlament und Kultusministerium und sind erfolgreich beim Zukunftswettbewerb mit UNESCO-Beteiligung. Dennoch kein Grund für die Ehrenamtlichen des Vereins, sich zurückzulehnen. Denn hartnäckig hält und verbreitet sich die schon längst widerlegte These von der defizitären Entwicklung Dialekt sprechender Kinder und Schüler.

Die Vorsitzenden Horst Münzinger und Siegfried Bradl erklären und begründen Sinn und Zweck der Mundartförderung und informieren über Aktionen und Maßnahmen 2010/2011.

Dienstag, 11 Januar 2011 01:00

Rückgang der Mundarten ein Alarmzeichen

Förderverein Bairische Sprache und Dialekte fordert Taten nach Landtagsinitiative zur  Dialektförderung

FBSD LogoDer Sozialausschuss im  bayerischen Landtag sieht Handlungsbedarf bei der Dialektförderung. Es sei ein Alarmzeichen, dass der Anteil der bairisch sprechenden jungen Bevölkerung in Bayern seit Jahren schwinde, stellte der stellvertretende Ausschussvorsitzende Joachim Unterländer (CSU) fest. Damit schloss sich Unterländer den Warnungen des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte an, der bereits seit längerem von der Landespolitik konsequente Maßnahmen zur Dialektförderung fordert.

„Wer Dialekt spricht, lernt Sprachen leichter“, so Horst Münzinger, Vorsitzender des mit 3.200 Mitgliedern größten Sprachvereins in Bayern. Besonders Kinder und Jugendliche verfügen nachweislich über mehr Sprachkompetenz, wenn sie Mundart sprechen. So liegt Bayern im Schulleistungsvergleich 2010[1] in den untersuchten Bereichen Deutsch (Lesen, Zuhören, Orthografie) und Englisch (Lesen, Hören) deutlich über dem deutschen Mittelwert und belegt im innerdeutschen Vergleich jeweils den Spitzenplatz. Der Rückgang des Mundartgebrauchs in Bayern müsse deshalb gestoppt werden und die bairische Sprache und die Dialekte in den Kindergärten, Kindertagestätten und Schulen in Bayern wieder mehr Bedeutung erlangen. Münzinger erinnerte daran, dass 2009 die bairische Sprache von der UNESCO als gefährdet eingestuft wurde. Allerdings habe die bayerische Staatsregierung hierzu bisher geschwiegen. Ein Lichtblick sei die einhellige Zustimmung der Volksvertreter zum Antrag von MdL Joachim Unterländer, der darin die bayerische Staatsregierung aufgefordert hatte, dem Landtag und den Ausschüssen über die Aktivitäten zur Mundart- und Dialektförderung in Kindertagesstätten und Schulen in Bayern zu berichten.

Diese Aufgabe erfüllte Staatsministerin Christine Haderthauer und legte eine Zusammenstellung bestehender Aktivitäten und Fundstellen  in Lehrplänen zur Dialektförderung vor. So werde im  Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan Wert auf die Wertschätzung der Familienkultur und der Familiensprachen  gelegt.  In bayerischen Kindertageseinrichtungen soll deshalb sowohl Dialekt gepflegt als auch Hochdeutsch gefördert werden. Kein Kind werde zum Sprechen der Hochsprache gedrängt. In den Lehrplänen der Ausbildungseinrichtungen für Kinderpflege sei die Dialektförderung nicht erwähnt, aber in Lerninhalten impliziert. Die Gesamtsituation der Mundartpflege in Bayern stelle sich insgesamt positiv dar. Sprachwechsel aufzuhalten sei jedoch nicht möglich und auch nicht Aufgabe des Staates.

Nach Meinung Münzingers übernehme gemäß Verfassung der Freistaat Bayern den Schutz kultureller Überlieferungen. Hierzu zählen in besonderem Maß die bairische Sprache und die Dialekte als elementare Kulturgüter. Zudem sei Artikel 131 der Bayerischen Verfassung, wonach Schüler in der Liebe zur bayerischen Heimat zu erziehen sind, nicht als romantische Hingabe an Bayern zu verstehen, sondern als Auftrag, Schülern kulturelle Entwicklung und historisches Wissen über Bayern zu vermitteln. Sprache und Mundart seien hier unabdingbar.

Es sei deshalb gerade bei der Erzieherausbildung erforderlich die  Mundartförderung als eine hochwertige grundsätzliche Aufgabe der Erziehungs- und Lehranstalten festzuschreiben und einzufordern.  Mundart nur in Lehrplänen zu thematisieren, deren Umsetzung kaum nachprüfbar sei, reiche nicht aus. Es müsse sehr deutlich gemacht werden, dass die Mundarten als sprachliche Bezugspunkte und als wesentlicher Bestandteil bayerischer Kultur nicht vernachlässigt oder gar diskriminiert werden dürften. Nicht zu unterschätzen sei zudem die Bedeutung einer über Generationen vererbten regional begrenzten Sprache oder einer Mundart  als  Stabilisator örtlicher Gemeinschaften. Das Netz aus Orts- oder Muttersprache, Brauchtumspflege und Gemeinschaftssinn ist Voraussetzung für die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung und für die kreative und engagierte Bewältigung der vielfältigen zukunftsrelevanten Aufgaben in Dörfern, Städten und Landkreisen, so Münzinger weiter.

Münzinger fordert deshalb, das Wissen über Herkunft, Entwicklung und Bedeutung der bairischen Sprache und der Mundarten als konkretes und nachprüfbares Lernziel in die Berufsausbildung für Erzieher in Bayern aufzunehmen. Den Erziehern ohne oder mit nur geringem bairischen Sprachwortschatz müsse in der Aus- und Fortbildung durch geeignetes Lernmaterial und tiefgehende und vertrauensvolle Wissensvermittlung die Scheu vor der barischen Sprache und den Dialekten genommen werden. Um Wirkung zu erzielen müssen zudem die Lernziele regelmäßig untersucht, bewertet und transparent veröffentlicht werden.

Vorrangig sei aber zunächst ein klares öffentliches Bekenntnis der bayerischen Staatsregierung und ihrer Repräsentanten zur Förderung der bairischen Sprache und der Dialekte. Als wahrnehmbare Sofortmaßnahme empfahl Münzinger den Austausch norddeutscher Begriffe durch im südlichen Sprachraum beheimateter Begriffe (Bub anstelle Junge) auf den Internetseiten des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus.

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1) Mit der Durchführung des Ländervergleichs ist das von den Ländern eingerichtete Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) beauftragt worden. Der vom IQB durchgeführte Ländervergleich löst die bisherigen Ländervergleiche im Rahmen der internationalen Schulleistungsstudie PISA (PISA-E) ab.


Freitag, 03 Dezember 2010 01:00

Sprachverein warnt vor x-mas

Weihnachten für Kultur und Sprache nutzen

FBSD LogoWeihnachtsmänner, jingle bells und x-mas haben in der Weihnachtszeit Hochkonjunktur. Sehr zum Leidwesen des 3.200 Mitglieder zählenden Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte. Denn der Verzicht auf heimischen Wortschatz nimmt gerade der jungen Generation die Gelegenheit, überlieferte heimatliche Begriffe und deren Herkunft und Bedeutung kennen zu lernen. Die Entwicklung von Sprachgefühl und Sprachsinn bei Kindern wird durch das Eindringen geschichtsloser und bezugsleerer Begriffe und Schlagworte in den Sprachgebrauch gehemmt. Sprachliche Bezugspunkte zu kultureller Entwicklung und historischem Wissen gehen verloren.  

Anstelle abstrakter und nichtssagender Worthülsen bieten gerade die bairische Sprache und die Dialekte in Bayern eine reizvolle Vielfalt, Menschen, Gegenstände und Situationen genau zu beschreiben und zu charakterisieren. Die Suche nach Herkunft und Bedeutung von Worten und Begriffen weckt bei Kindern und Schülern das Interesse an Sprachen und schärft Sprach- und Verständigungsfähigkeit. 

Längst wissenschaftlich widerlegt ist auch die Ansicht, Dialektsprecher seien beim Erlernen der deutschen Standardsprache und anderer Sprachen benachteiligt und hätten deshalb Einschränkungen in Schule und Beruf zu erwarten. Ganz im Gegenteil. Bilinguale Erziehung erweitert bei Kindern das Sprachbewusstsein und damit den kulturellen Horizont.

Der Förderverein Bairische Sprache und Dialekte empfiehlt deshalb, bei der Suche nach Geschenken geeignete Bücher und Hörspiele zur bairischen Sprache in die engere Wahl zu nehmen. Freude bereiten zudem selbst verfasste Geschichten oder Gedichte in bairisch oder Mundart. Um leblose Begriffe und eingesickerte Worthülsen aus dem Sprachgebrauch zu tilgen, eignet sich als Geschenk eine selbst gefertigte Liste mit unerwünschten Wörtern, Redewendungen und Begriffen, denen lebendige bairische Wörter gegenübergestellt sind. Dann wird aus dem Weihnachtmann wieder der Nikolaus und aus x-mas der Heilige Abend.

Samstag, 13 November 2010 01:00

Sprachverein wählt neuen Vorstand

FBSD LogoDer Förderverein Bairische Sprache und Dialekte e.V. hat bei seiner diesjährigen Jahreshauptversammlung am 13. November einen neuen 1. Vorsitzenden und einen neuen stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Die Mitglieder des Vorstands und die Delegierten aus den Landschaftsverbänden des Sprachvereins wählten den bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden Horst Münzinger aus München zum 1. Vorsitzenden. Er folgt damit Martin Bauer aus Zorneding, der seit 2004 amtierte und aus beruflichen Gründen nicht mehr kandidierte. Bauer hatte seine Entscheidung schon frühzeitig den Mitgliedern des Gesamtvorstandes mitgeteilt und seinen Vertreter als Kandidat empfohlen. Bauer entwickelte den Verein zu einem aufgeschlossenem und kompetenten Ansprechpartner für Medien, Politik und Öffentlichkeit und wandte sich bewusst gegen Klischees und Bayerntümelei. Der 49jährige Münzinger trat 1997 dem Förderverein bei und wurde 2009 nahezu einstimmig zum Vertreter Bauers gewählt. Zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden des Gesamtvereins wurde Siegfried Bradl aus Altomünster im Landkreis Dachau gewählt. Der 52jährige gehört seit 2003 dem Verein an ist seit Jahrzehnten im Bereich Volkskultur engagiert. Martin Bauer freute sich über den Wahlausgang: „Damit kann die erfolgreiche Arbeit des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte und der Dialog mit der Öffentlichkeit und Landespolitik fortgesetzt werden“.

Der rund 3.200 Mitglieder zählende Verein initiiert und beteiligt sich mit seinen regional wirkenden Landschaftsverbänden an Veranstaltungen und Aktionen zur Pflege der bairischen Sprache. Er ist über alle Generationen hinweg aktiv, besonders jedoch in Kindergärten und Schulen. Zudem gilt er Lehrern, Studenten und vielen Medien als Anlaufstelle für Fragen rund um die Bairische Sprache.

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