Dienstag, 18 Februar 2020 18:08

Mitn Redn kemman d'Leit z'somm

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Das Team des Interreg-Projektes „MitnRednkemmand’Leitz’somm“ beim ersten Treffen der Lenkungsgruppe vor der Festung Hohensalzburg Das Team des Interreg-Projektes „MitnRednkemmand’Leitz’somm“ beim ersten Treffen der Lenkungsgruppe vor der Festung Hohensalzburg © Sarah Reiter


Projektstart: „Mitn Redn kemman d’Leit z’somm“
Mit Kindern die sprachliche Vielfalt in der Euregio Salzburg-Berchtesgadener Land-Traunstein erforschen, reflektieren und ausbauen

Am 21. Februar ist wieder der „Internationale Tag der Muttersprache“.

Er wird seit dem Jahr 2000 jedes Jahr von der UNESCO als Gedenktag zur Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit ausgerufen. Aus diesem Anlass geben die Universität Salzburg und der Förderverein Bairische Sprache und Dialekte (FBSD)den Start eines gemeinsamen, grenzübergreifendenSchulprojekts zur Förderung des bewussten Umgangs mit der Vielfalt der deutschen Sprache bekannt, denn sprachliche Vielfalt betrifft nicht nur Einzelsprachen, sondern auch Dialekte. Finanziert wird das Projekt mit Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung im Rahmen des Interreg-Programms Österreich ¬ Bayern 2014-2020 sowie durch die Universität Salzburg und den Förderverein Bairische Sprache und Dialekte.
Gerade im grenznahen Raum Bayerns und Salzburgs wachsen viele Kinder und Jugendliche sowohl mit Hochdeutsch als auch mit Dialekt – und Abstufungen dazwischen – auf. Die jeweilige Sprachwahl wird jedoch oft nicht ‚neutral‘ bewertet, sondern ist häufig mit Vorurteilen und gegenseitigen Abwertungen verbunden. So gelten Dialektsprecher/innen z.B. als ‚bäuerlich‘, ‚ungebildet‘, aber auch ‚sympathisch‘, während Standardsprecher/innen z.B. als ‚gebildet‘, ‚kompetent‘, aber auch ‚arrogant‘ und ‚unsympathisch‘ eingeschätzt werden. Tatsächlich verbauen diese Vorurteile vielen die Chance, beide Sprachformen, Dialekt und Hochdeutsch, selbstbewusst und kompetent zu verwenden und sich in beiden wohlzufühlen. Dabei kann dies den Schüler/inne/n viele Wege öffnen, auch Schüler/inne/n mit Migrationshintergrund. Denn die Beherrschung des Hochdeutschen ist grundlegend für den Schul- und Bildungskontext und für überregionale Kommunikation, gleichzeitig kann man durch dialektale und regionale Sprechweisen aber die Identifikation mit der Region und mit bestimmten Gruppen ausdrücken und stärken. AuchHinweise auf sprachliche und kognitive Vorteile von ‚innersprachlicher Mehrsprachigkeit‘ mehren sich.
Im Projekt wird ein Programm entwickelt, das die gängigen Wahrnehmungen und Bewertungen kritisch unter die Lupe nimmt und sachliche Information aus sprachwissenschaftlicher Sicht dazu liefert. Überzeugungen werden hinterfragt, wie etwa: ‚Dialektsprecher/innen sind schlechter in der Schule‘, ‚Hochdeutsch ist das korrekte Deutsch, der Dialekt ist voller Fehler‘ oder ‚Hochdeutsch ist eine Fremdsprache für uns‘. Gleichzeitig werden die Schüler/innen selbst zu Sprachforscher/inne/n, die die Unterschiede zwischen Dialekt und Hochdeutsch oder die jeweiligen Verwendungskontexte genauer untersuchen.Zentral ist auch das spielerische ‚Sich-Ausprobieren-Dürfen‘ in den verschiedenen Sprachformen, um Hemmungen ab- und Verständnis aufzubauen. Ziel ist es, dass Schüler/inne/n den Mehrwert eines breit ausgebauten Sprachrepertoires, d.h. der Beherrschung von Dialekten UND deutscher Standardsprache (neben anderen Sprachen), erfahren. Nicht zuletzt kann dies auch Neu-Ankömmlingen in der Region bei der Integration in die (Sprach-)Gemeinschaft helfen.
Letztlich sollendas Verständnis und die Wertschätzung der regionalen Sprachvielfalt über die Schulen auch in die Familien und die Gesellschaft getragen werden, wo viele Be- und Abwertungen wurzeln.
Am Programm werden im nächsten Schuljahr verschiedene Schulen in Südostbayern und in Salzburg teilnehmen. Nach einer wissenschaftlichen Evaluation und Überarbeitung werden die Materialien schließlich allen Interessierten online zur Verfügung gestellt.Außerdem wird künftig ein fixes, grenzübergreifendes Lehrerfortbildungsmodul zum Thema angeboten.
Dieses Projekt wird mithilfe assoziierter Partner, darunter das Bayrische Staatsministerium für Unterricht und Kultus, die Bildungsdirektion Salzburg, die Pädagogische Hochschule Salzburg und die Schulämter Traunstein und Berchtesgadener Land, durchgeführt und durch die EuRegio, einen Zusammenschluss von Salzburger und bayerischen Gemeinden zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, begleitet. Am 28. Mai 2020 wird in Salzburg die öffentliche Auftaktveranstaltung mit Vorträgen und Workshops zum Thema stattfinden.

Weitere Informationen zum Projekt


Ansprechpartner

  • Eugen Unterberger, MA (Projektleiter, Universität Salzburg) -
  • Siegfried Bradl, Dipl.-Ing. (FBSD, 1. Vorstand) -
  • Mag. Sarah Reiter, B.A. (Regionalmanagerin EuRegio Salzburg – Berchtesgadener Land – Traunstein) -

Weitere Informationen

  • Erscheinungsdatum: Dienstag, 18 Februar 2020
  • Quelle: FBSD
  • Autor: FBSD
Gelesen 543 mal Letzte Änderung am Montag, 20 April 2020 14:43