Donnerstag, 18 Februar 2016 18:13

Tag der Muttersprache - nötiger denn je

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Appell an den Bayerischen Rundfunk: Vielfalt der bayerischen Regionalsprachen - Bairisch, Fränkisch und Schwäbisch - muss wieder hörbar werden

Für den Förderverein Bairische Sprache und Dialekte e.V. (FBSD) ist der jährlich am 21. Februar begangene Tag der Muttersprache ein wichtiger Anlass, um auf den drohenden Verlust der bairischen Sprache und damit auf das mit 1500 Jahren ältesten und wertvollsten Kulturguts Bayerns aufmerksam zu machen.

Die bereits 2009 von der UNESCO als bedroht eingestufte Bairische Sprache wird vor allem in der jüngeren Generation der unter 40jährigen immer weniger erlernt und gesprochen. Die Überlieferung an folgende Generationen ist deshalb arg gefährdet. Hauptgründe hierfür sind die vor Jahrzehnten begonnene Verbannung der bairischen Sprache und der Mundarten aus den Schulen und aus dem öffentlich-rechtlichen Bayerischen Rundfunk sowie eine allgemeine Geringschätzung der Regionalsprachen. „Aufgrund heute widerlegter Vorurteile wurden damals Bairisch und andere Regionalsprachen entwertet und gemieden und ein steriles Allgemeindeutsch als Premiumsprache mit den Merkmalen Modern und Überlegen durchgedrückt“, erklärt der FBSD-Vorsitzende Horst Münzinger aus München.

„Eine völlig falsche Weichenstellung, wie sich schon seit geraumer Zeit durch wissenschaftliche Studien und in der Praxis nachweisen lässt“, ergänzt Siegfried Bradl aus Altomünster, stellvertretender Vorsitzender des Sprachvereins. Dieser wurde 1989 gegründet und zählt heute rund 3.300 Mitglieder. „Die Lernvorteile werden bei Schülern, die neben Neuhochdeutsch auch ihre regionale Mundart beherrschen, von Lehrkräften bejaht und in Schulleistungsvergleichen nachgewiesen.“, so Bradl.

Anwendung der neuen Lehrerhandreichung „Dialekte in Bayern“ muss zur Pflicht in Schulen werden

Für Lehrkräfte gibt es deshalb die 400-seitige Neuauflage der „Handreichung für den Unterricht - Dialekte in Bayern“, die 2015 im Auftrag des Bayerischen Kultusministeriums vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung als Lernmaterial erstellt und an alle Schulen in Bayern verteilt wurde. Die Erstauflage mir 200 Seiten war 2006 auf eine 1999 gestartete Initiative des FBSD e.V. entwickelt worden.

„Sehr merkwürdig ist, dass Lehrkräfte, die wir nach der Handreichung fragen, dieses hervorragende Werk nicht kennen“, wundert sich Münzinger und stellt sich die Frage, wo die mit öffentlichen Geldern finanzierten Bücher und Tonträger wohl hingekommen sind.

Der FBSD-Vorsitzende fordert deshalb, dass die Weitergabe an die Lehrkräfte und der Einsatz dieses Werks im Rahmen der neuen Lehrpläne vom Ministerium verpflichtend eingefordert und konsequent kontrolliert werden. „Schon in der Ausbildung und während der Fortbildungsmaßnahmen müssen die Lehrkräfte das Werk kennen und anwenden lernen“, ergänzt Bradl. „Gleiches gilt im Prinzip auch für Erzieherinnen und Erzieher.“

Um schon ganz jungen Buben und Mädchen in Bayern die Chance zu geben, neben Deutsch auch die Aussprache und den Wortschatz der jeweiligen Regionalsprache kennenzulernen, zu erwerben oder zu pflegen, arbeiten Mitglieder des FBSD mit Kindergärten und Schulen zusammen. „Wir fördern damit die vorteilhafte bilinguale Erziehung der Kinder“, so Bradl, der für diese Aufgabe das unter seiner Regie entstandene FBSD-Mundart-Ratespiel „Woaßt as?“ empfiehlt.

Umkehr der BR-Sprachkultur

Dringenden Korrekturbedarf sehen die beiden Vorsitzenden bei der Sprachkultur im Bayerischen Rundfunk. Ihrer Ansicht nach zeigt der massive Protest gegen die geplante Auslagerung der Volksmusik vom UKW-Sender „Bayern 1“ zum Digitalsender „BR-Heimat“ auch die starke emotionale Bindung vieler Zuhörer zu ihrer Muttersprache. Sie ist durch die Bevorzugung einer entregionalisierten, einheitlichen Moderatorensprache, anstelle einer regional gefärbten Aussprache, fast nur noch im Bereich der Volksmusik zu hören. Damit ist dann auf vielen anderen Kanälen nur noch ein „Einheitsbrei“ mit wenig sprachlichem Tiefgang zu hören. Viele sehen zudem in der geplanten Auslagerung einen weiteren Verlust bayerischer Identität - und das gerade bei einem öffentlich-rechtlichen Sender mit entsprechendem Kulturauftrag.

„Moderatoren mit frohstimmender Sprachfärbung hört man selten. Es scheint, als seien sie immer noch nicht so recht im BR erwünscht“, so die Vorsitzenden. Sie haben deshalb den Intendanten des Bayerischen Rundfunks Ulrich Wilhelm dringend gebeten, eine Umkehr bei der BR-Sprachkultur vorzunehmen. Anstelle eines allgemeindeutschem Wortinventars und gekünstelter Einheitsaussprache sollten das regionale Wortinventar und die regionalen Aussprachen aufgewertet werden. Weiterhin fordern sie den BR-Intendanten auf, „es zuzulassen und es nach Kräften zu fördern, dass der Bayerische Rundfunk wieder als selbstbewusster, heimatverbundener und in seiner Vielfalt bayerisch hörbar wahrgenommen wird“.

Weitere Informationen

  • Erscheinungsdatum: Dienstag, 16 Februar 2016
  • Quelle: FBSD
  • Autor: Horst Münzinger
Gelesen 761 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 18 Februar 2016 18:31