Seit 2009 ist die bairische Sprache im UNESCO „Atlas der gefährdeten Sprachen“ aufgelistet. Wenn es nach dem „Förderverein Bairische Sprache und Dialekte e. V.“, kurz „FBSD“ geht, dürfte sie aber bald wieder von dort verschwinden. Der Verein konnte kürzlich in Aying sein 30-jähriges Gründungsjubiläum feiern und vom Verschwinden des bairischen Dialekts war da keine Rede. Vielmehr wurde der Dialekt zünftig gefeiert und gepflegt, beim Jubiläum.

Den Anstoß zur Gründung des Vereins gab ein Aufsatz der früheren Leiterin des Gesundheitsamtes Traunstein, Dr. Viktoria Wittmann, aus dem Jahr 1988, betitelt; „Gedanken über die bairische Sprache“. Sebastian Stöckl, ebenfalls aus dem Chiemgau, gefielen die Ideen der Medizinerin und er machte sich an die Gründung des Vereins, zur „Erhaltung und Pflege“ dieser Sprache. Diese Initiative gipfelte in der Gründungsversammlung mit 29 Teilnehmern am 10. Juli 1989 auf dem Hochberg bei Traunstein. Die Eintragung ins Vereinsregister erfolgte im November desselben Jahres. Da hatte der Verein schon mehr als 60 Mitglieder. Etliche davon Sprachwissenschaftler, Autoren, Politiker und Kunstschaffende.

Seitdem expandierte der Verein, unterteilt in fünf Landesverbände in Ober- und Niederbayern und der Oberpfalz, mit insgesamt mehr als 3300 Mitgliedern. Seit seiner Gründung hat sich der FBSD als kompetenter Ansprechpartner in allen Facetten der bairischen Sprache verdient gemacht. Für die Mitglieder gibt es die Mitgliederzeitschrift, den „Rundbriaf“. Bekannt ist der Verein auch durch seine eigenen und Teilnahmen an anderen Veranstaltungen, wie der „Oide Wiesn“ auf dem Oktoberfest. Zudem gibt es regelmäßig Preisverleihungen im Rupertiwinkel und Erdinger Land, an Leute, die sich um bairische Sprache und Dialekt verdient gemacht haben. Gesucht und gepflegt werden auch Verbindungen mit themenverwandten Vereinen, Verbänden, Vertretern der Heimatpflege, des Brauchtums, Medien, Künstlern und Sprachwissenschaftlern über Bayerns Grenzen hinaus.

Dementsprechend geriet das 30-jährige Jubiläum neulich im Schalander der Ayinger Privatbrauerei in Aying zu einer echten Feier. Wie es sich für einen Verein wie den FSBD gehört, wurde aber der Nachmittag und Abend des Jubiläums nicht nur mit Feiern und Hochlebenlassen verbracht, es wurden auch Vorträge gehalten, über wie die bairische Sprache und Dialekte noch weiter gefördert und popularisiert werden könnten. Diesbezüglich gab es nach dem Nachmittagskaffee und der Begrüßung der Mitglieder und Gäste gleich mehrere Vorträge und Diskussionen. Begonnen wurde die Vortragsreihe mit dem Thema, „Dialekt in der Schule“, vom Salzburger Doktoranden, Eugen Unterberger und weiter ging es mit „Mundartpflege, zwischen Inklusion und Ausgrenzung“, von Dr. Norbert Göttler. Zum Thema „Dialekt in Zeitung und Internet“, sprach der stv. Redaktionsleiter von MM und tz, Uli Reichele und über „Bayerisch im Bayerischen Rundfunk“, Hörfunkdirektor Martin Wagner. Verlesen wurden auch Grußworte von Politikern wie; Markus Söder, Horst Seehofer, Hubert Aiwanger und Ilse Aigner.

Nach dem Abendessen wurde die weitere Veranstaltung noch durch die „Mira Musi“ musikalisch aufgelockert. Um 19:40 Uhr hielt Prof. Anthony Rowley, vom Bayerischen Fernsehen her bekannter Forscher und Dolmetscher in Sachen bayerische Sprache, die Festansprache mit dem Titel; „Wie ist die Arbeit des FBSD und anderer Dialektvereine zu sehen bzw. zu bewerten?“. Prof. Rowley unterstrich in seiner Rede die große Bedeutung von Dialekten in Bezug auf ihren Beitrag zur Bewahrung des kulturellen Erbes und Charakters von Menschen und Regionen. Nach der Rede Prof. Rowleys wurde den prägenden Vorgängern, Ehrenmitgliedern und Vorständen des Vereins gedankt. Ein besonderer Dank vom, seit der letzten Jahreshauptversammlung im Amt befindlichen 1. Vorsitzenden, Siegfried Bradl, ging an seinen Vorgänger, Horst Münzinger, der die Geschicke des Vereins für die vergangenen 9. Jahre als 1. Vorstand geleitet hat.

Der weitere Verlauf des Abends war gefüllt mit kurzen Geschichten und Beispielen bairischer Dialekte und ihrer Unterscheidungsmerkmale aus dem Gebiet des FBSD, unterbrochen von Einlagen der Mira Musi.

Gegen Mitternacht endete das Jubiläum, mit dem Versprechen Aller, sich auch weiterhin für die Pflege und den Erhalt des Bairischen Dialekts einzusetzen und ihn möglichst bald aus dem UNESCO „Atlas der gefährdeten Sprachen“ entfernt zu bekommen.

Von Alois Albrecht, 3. Dezember 2019

 

 

Der innere Zirkel der Vorstandschaft des FBSD; v.r.:
1. Vorsitzender Siegfried Bradl,
Schriftführerin Marianne Hauser,
stellvertretender Vorsitzender und Vorsitzender des Landschaftsverbands Rupertiwinkel, Heinz Schober,
Schatzmeister Johann Schmid,
stellvertretender Schatzmeister Helmut Hopper
und stellvertretender Schriftführer Hans Eichhorn.

 

Der seit diesem Jahr im Amt befindliche 1. Vorsitzende des Gesamtvereins, Siegfried Bradl.
Fotos: Hans Eichhorn

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